Blog Praxis

Wie alles begonnen hat …

Gezeichnet, gemalt, gekritzelt (und auch weiße Küchenwände mit Ölkreiden verziert) habe ich als Kind unglaublich gern. Damals hatte ich schon eine große Affinität zu Kugelschreibern, Bunt- und Filzstiften, Wasserfarben und – Papier.

Meine Eltern hatten ein Landgasthaus und mussten die Bestellungen der Gäste und die Rechnungen noch auf Papierblöcke schreiben. Diese sogenannten Kellnerblöcke (schmal, länglich, gelbliches, dünnes Papier) wurden von der Brauerei, die uns beliefert hat, zur Verfügung gestellt. Ich weiß noch gut, dass ich mir ganz gern diese kleinen Dinger stibitzt habe, um darauf herumzukritzeln.

Wir hatten auch einen Stammgast, Herrn D., der in einer Druckerei gearbeitet hat und mir immer wieder große und kleine Blöcke mitgebracht hat (ich weiß leider nicht, ob er sie auf legalem Weg mitgenommen hat oder ob er auch den einen oder anderen für mich stibitzt hat). Das Papier dieser Kritzelblöcke war weiß und – glatt!! Ein Traum. Diese Blöcke waren mein persönlicher Schatz. Auf denen konnte ich mich austoben und Prinzessinnen und Blumen zeichnen – meine bevorzugten Themen damals.

Irgendwann war es dann aber vorbei mit der Liebe zum Zeichnen: In der Schule stand „Bildnerische Erziehung“ auf dem Stundenplan. Meine „Kunstwerke“ wurden von den Lehrerinnen stets einer kritischen Begutachtung erzogen und ich habe irgendwann festgestellt: Andere Schulkolleginnen können es besser – ich kann nicht zeichnen. Und mit diesem Befund habe ich dann beschlossen, keine Karriere als Künstlerin machen zu wollen.

Das ist ein Schulheft, ein kleines Schulheft. Es hat keine Linien. Und man sieht einen schwarzen Stift. Der Stift ist von der Firma Stabilo. Auf dem Stift und auf dem Heft steht der Name Waltraud. Stift und Hefte waren ein Geschenk.

Mit diesem Schulheft hat 2015 meine Entdeckungsreise in die Welt der visuellen Notizen begonnen.

 

2015 in Salzburg

Ja, und dann kam das Jahr 2015. Ich war schon seit einigen Jahren als Trainerin für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in der Erwachsenenbildung tätig und habe im Juni in Salzburg an einem Fortbildungsseminar der Österreichischen Volkshochschulen teilgenommen. Geleitet wurde dieses zweitägige Seminar von Claudia Teissier de Wanner. Gedacht war das Ganze als Veranstaltung zum Thema Einsatz von Bildern und visuellen Mitteln im Fremdsprachenunterricht. Zumindest waren das meine Erwartungen. Leicht skeptisch geworden sind meine Kolleginnen und ich allerdings schon beim Betreten des Seminarraums. Auf unserem Platz lag ein kleines, unliniertes Schulheft und ein schwarzer Filzstift mit unserem Namen darauf. Und es sollte sich bewahrheiten, was wir „befürchtet“ hatten – das Seminar wurde zu einem Basislehrgang in Sachen „Jetzt nimm den Zeichenstift in die Hand und zeichne los – so schwer ist das ja nicht!“

 

Das Bild zeigt die erste Seite eines Heftes. Zu sehen ist auf der linken Seite Werbung für das Heftformat. Auf der rechten Seite sieht man kleine gezeichnete Symbole, wie Pfeile, Banner, Container, Strichmännchen.

Die erste Seite mit den ersten Visualisierungselementen

Zurück zum Kritzelblock

Seit diesen zwei Seminartagen – umgeben von vielen Flipcharttafeln und Notizheften – hat es mich wieder gepackt, die Freude am Zeichnen und Herumkritzeln … Von Sketchnotes oder dergleichen war damals noch nicht die Rede, es ging in Salzburg in erster Linie darum, wie man Flipcharts für den Unterricht ansprechend gestaltet („Die goldenen Regeln der Flipchartgestaltung„) und wie Bilder und Visualisierungen im Unterricht eingesetzt werden können (meine eingangs erwähnten Erwartungen wurden demnach doch noch erfüllt).

Künstlerin in dem Sinn bin ich immer noch keine, ich habe aber, angestoßen durch Claudias Begeisterung für das Zeichnen und visuelle Gestalten und ihre Geduld, uns Teilnehmenden Schritt für Schritt in das Reich von Flipchart & Co einzuführen, diese Form der visuellen Kommunikation für mich entdeckt – und bin dann im Lauf der Zeit u. a. auch bei den Sketchnotes gelandet.

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